2006-08-10 22:55:28:
Pelletskessel überholen Ölheizung
Österreich ist bei Holzpellets und Pelletsheizungen eine Weltmacht.
(Die Presse) 11.08.2006
WIEN (ku). Die hohen Ölpreise haben zu einem Umdenken der Österreicher geführt: "Im Vorjahr haben Holzpellets-Heizkessel die Ölheizungen überholt", freut sich Christian Rakos, Geschäftsführer des Verbandes "Pro Pellets" im Gespräch mit der "Presse". Vor drei Jahren wurden noch jährlich 30.000 Ölheizungen installiert. Heute ist es nur mehr ein Viertel davon - während sich Pellets-Heizungen auf heuer rund 11.000 Stück mehr als verdoppelt haben.
Holzpellets - das sind mit Stärke verpresste Sägespäne, die vollautomatisch in den Heizkessel befördert werden - sind eine vergleichsweise junge Erfindung. "Die ersten Pellets wurden 1997 aus den USA nach Österreich eingeführt", so Rakos. Heute ist das völlig anders: Österreich ist bei Pellets eine Großmacht, der Weltmarktanteil liegt bei mehr als zehn Prozent.
Zum Leidwesen der Papierindustrie, die die Pellets-Produktion dafür verantwortlich macht, dass ihr der Rohstoff ausgeht beziehungsweise die Preise für Holzspäne stark steigen. Rakos kann diesem Vorwurf nicht viel abgewinnen. Er argumentiert, dass vor allem der Hackschnitzelbedarf der neuen Biomasse-Kraftwerke (das größte in Wien Simmering) viel stärker steigt als der Verbrauch von Pellets. Allerdings könnten mittelfristig die Pellets wirklich eine Konkurrenz für die Papierhersteller werden - nämlich dann, wenn Sägewerke wegen der hohen Energie-Preise beginnen, Wald-Hackgut zu Pellets zu verarbeiten.
Mit der Verteuerung von Pellets (um 40 Prozent binnen Jahresfrist) ist in Rakos' Augen Schluss. Wegen der guten Preise werden in Bälde weitere Produktionsanlagen eröffnet, dann ist wieder genug Angebot am Markt. Trotz gestiegener Preise sind Holzpellets die billigste Form von automatischen Heizungen. Die Energiekosten sind um ein Viertel niedriger als bei Gas und nur halb so hoch wie bei Heizöl.
Hand in Hand mit dem Pelletsmarkt entwickelte sich auch die Kessel-Produktion. Österreichische Hersteller zählen zu den Weltmarktführern. In Deutschland etwa haben heimische Pellets-Kessel einen Marktanteil von 80 Prozent. Im Boomjahr 2005 haben die Anlagenbauer ihren Absatz um 45 Prozent gesteigert, heuer rechnen sie mit einem Plus von 25 Prozent. Damit der technologische Vorsprung gewahrt bleibt, entwickelt das Austrian Bioenergy Center derzeit den "Pellets-Brenner der Zukunft".
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