Holzpellets News

2006-05-11 14:47:39:
Pellets Gründe für die Engpässe
Aus verschiedenen Gründen kam es zu großen Engpässen bei der Holzpelletslieferung.


VON HOLGER KLEIN, 26.04.06,  (ksta.de)
Rhein-Sieg-Kreis - Sie gelten als einer der Brennstoffe der Zukunft: Holzpellets. Die zylindrische Presslinge aus getrocknetem Restholz wie Sägemehl oder Hobelspäne sind zwei bis fünf Zentimeter lang und bis zu einem Zentimeter breit. Der Energiegehalt von einem Kilogramm Pellets entspricht ungefähr dem eines halben Liter Heizöls. Nicht zuletzt auf den Mucher Brennholztagen vor einigen Wochen standen die Röllchen im Mittelpunkt, weil sie nicht nur als preiswerter als Öl und Gas gelten, sondern auch im Gegensatz zu den fossilen Energieträgern als CO2-neutral bezeichnet werden können. Das bedeutet, dass bei der Verbrennung der Pellets die Menge an Kohlendioxid (CO2) freigesetzt wird, die der Baum zuvor beim Wachsen aufgenommen hat.
 Doch trotz der vielen Vorteile des Brennstoffs sind viele Inhaber von Holzpelletsheizungen in diesen Tagen nicht gut auf die Presslinge zu sprechen. Manfred Eckermeier, der bereits 2002 als einer der ersten in der Region eine Holzpelletsanlage in seinem Wohnhaus in Hennef-Süchterscheid in Betrieb nahm, hat besonders im vergangenen Winter frustrierende Erfahrungen gemacht. Ein Grund sind die unregelmäßigen Längen der Pellets. Teilweise musste der Hennefer bis zu sechs Zentimeter lange Presslinge aus seiner Saugleitung fischen, die den Durchfluss stoppten. „Die zahlreichen Ausfälle der Anlage durch Qualitätsmängel der Pellets vor allem in den Heizperioden führten immer wieder zur morgendlichen Ernüchterung unter der kalten Dusche“, beschreibt Eckermeier. Dabei habe er ebenso Anbieter aus dem Sauerland und dem Westerwald wie aus dem bayrischen und österreichischen Raum getestet. Das Ergebnis war aber stets das gleiche - die Pellets waren zu groß, die Heizung ging auf Störung.
 Die ungleichen Längen waren aber nicht das einzige Problem mit dem Eckermeier und seine Familie zu kämpfen hatten, noch größere Schwierigkeiten bereiteten den Hennefern, überhaupt an die Pellets zu kommen. „Die Liefersituation in diesem Winter war katastrophal. Wir haben wochenlang auf die Füllung unserer Tanks gewartet und wurden stets vertröstet, da die Kapazitäten der Hersteller bei weitem nicht ausreichen.“ Die Konsequenz war kostenintensiv: Eckermeier musste sich teilweise teuere Sackware organisieren, bei der der Tonnenpreis bei rund 235 Euro lag. „Ich kam mir fast schon vor wie beim »Kohlenklau« nach dem Zweiten Weltkrieg“, erzählt der Hennefer, der trotz der schlechten Erfahrungen nach wie vor zum Heizen mit regenerativen Energien steht. Nur würde er heute seine Pelletsanlage mit einem großen Wasserspeicher von 6000 Litern ausrüsten, damit der Wochenbedarf an heißem Wasser gedeckt sei. Auf Dauer viel preiswerter wird das Heizen mit Pellets nach Eckermeiers Erfahrungen nicht. Für die per Tankwagen gelieferte Tonne - ein Einfamilienhaus hat einen Jahresbedarf von etwa fünf Tonnen - habe er über 210 Euro gezahlt, im Vergleich zum Jahre 2002 eine Steigerung von 35 Prozent.
 Neue Produktionsanlagen
 „Die Pelletspreise stagnieren nicht, sondern steigen ebenso wie die von Öl und Gas.“ Grund seien die Hersteller, die wegen der Knappheit des Brennstoffs im Winter an der Preisspirale gedreht hätten. „Anfangs war ich sehr euphorisch über meine Heizungsanlage, doch das hat sich mittlerweile gelegt“, bilanziert Eckermeier, der sein Haus nicht nur mit Pellets, sondern auch mit Solarkollektoren heizt.
 Beate Schmidt von der Aktion Holzpellets, einer Initiative des Umweltministeriums und der Energieagentur NRW, kann den Frust von Manfred Eckermeier gut verstehen. „Es kam in diesem Winter leider häufig zu Mindermengenbelieferungen.“ Die Gründe für die Pelletsknappheit seien vielschichtig. Einerseits habe es in 2005 einen Marktwachstum bei Holzpelletsheizungen von einhundert Prozent gegeben. Besonders in der zweiten Jahreshälfte, als Öl- und Gaspreis nach oben schossen, haben sich viele Häuslebauer für das Heizen mit den Presslingen entschieden. Mit diesem massiven Schub hätten die deutschen Pelletshersteller nicht gerechnet. „Um nicht auf ihren Lagern sitzen zu bleiben, haben die Hersteller teilweise sogar Kontingente ins Ausland verkauft - und plötzlich war der Bedarf da“, erläutert Schmidt. Darüberhinaus habe ein großer österreichischer Produzent überraschend Insolvenz angemeldet, „und dann kam der harte Winter“, sagt Schmidt. Die Holzindustrie produzierte kaum, und so entstand kein Spanmaterial für die Pellets. Zudem war der Import nach NRW aus Süddeutschland durch den vielen Schnee erschwert, erklärt die Pelletsexpertin.
 Schmidt ist sich sicher, dass die Lieferprobleme im Winter ein Einzelfall bleiben. Die Vertriebsstrukturen seien nach den Negativerfahrungen geändert worden, zudem werden in Deutschland 18 neue Pelletsproduktionsanlagen in diesem Jahr eröffnet. „Ich bin guter Dinge, dass solche Engpässe nicht mehr entstehen. Das darf auch nicht mehr vorkommen, denn noch so einen Winter verzeiht der Kunde nicht.“
 (KStA)
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