Holzpellets News

2007-05-22 22:15:50:
Bäume sägen statt Heizöl bunkern
Umdenken: Die hohen Energiepreise sind Schuld. In Harburg und dem Umland boomt die Nachfrage nach Brennholz, Holzpellets und Kaminöfen. Ganz Mutige gehen in den Wald.

Quelle: abendblatt.de
Von Uschi Tisson
Öl und Gas werden immer teurer: Das Heizen mit Holz kommt wieder in Mode. In der Region südlich der Elbe steigt nicht nur die Nachfrage nach Kaminholz und Pellets. Auch die Anmeldungen von sogenannten "Selbstwerbern" in den Harburger und Niedersächsischen Landesforsten nimmt ständig zu. "Immer mehr wollen ihr Brennholz selbst schlagen", sagt Bernd Schulze, Revierleiter der Försterei Eißendorf. Im Januar werden in seinem Gebiet Bäume gefällt, so daß "Selbstwerber" die Kronen eigenhändig mit der Motorsäge zerkleinern und anschließend für 15 Euro per Raummeter kaufen können. Wer sich weniger Arbeit machen möchte, nimmt die vorbereitenden Stämme, die am Wegesrand lagern. "Die kosten dann 25 Euro pro Raummeter", sagt Bernd Schulze. Voraussetzung für "Selbstwerber": "Sie müssen eine Schutzkleidung tragen."

Karl-Heinz Wilkens (74) aus Tötensen-Westerhof steht schon Motorsäge bei Fuß. Für die nächsten zwei Winter hat er zwar noch ausreichend Brennholz auf seinem Hof gelagert, doch will er rechtzeitig für Nachschub sorgen. "Bis wir das neue Holz verbrennen können, muß es mindestens zwei Jahre lagern", sagt er. "Drei Haushalte heizen wir damit und brauchen ungefähr 25 Raummeter Holz pro Jahr. Nur wenn strenger Frost herrschen sollte, drehen wir zusätzlich die Gasheizung auf." Angemeldet hat sich Karl-Heinz Wilkens im Tötenser Sunder. "Zu dritt schlagen wir die Bäume, die der Förster für uns vorgesehen hat", sagt er. "Zu Hause in Westerhof wird dann jeder Baumstamm fachgerecht für die Nutzung geteilt und zum Trocknen gestapelt."

Der äußerst milde Herbst sei der Grund, daß in den vier Obi-Märkten in Neugraben, Harburg, Buchholz und Winsen die "Nachfrage nach Kaminholzöfen zwar ansteigend ist und leicht über der des Vorjahres liegt", sagt Obi-Geschäftsführer Eckhard Niepel aus Neugraben. "Der große Boom ist aber noch nicht ausgebrochen. Wir sind jedenfalls dafür gerüstet", sagt er. Auch die Buchholzer Firma "Brennpunkt" hat vorgesorgt. "Es ist so, daß bekannte Hersteller mit der Produktion der beliebtesten Kaminöfen einfach nicht mehr nachkommen können", sagt Heiko Ahrendt. "Doch wir ahnten den Trend rechtzeitig und hielten Vorsorge mit unserer Lagerhaltung." Das tat auch Herbert Heins, Inhaber vom "Salzhäuser Ofenhaus" im Gewerbegebiet Oelstorf. "Wir bauen täglich drei bis vier Öfen pro Tag in Haushaltungen ein", sagt er und bestätigt die wachsende Nachfrage nach Heizen mit Holz.

Dazu gehören zum Beispiel auch Holzpellets. Durch ihre Umweltfreundlichkeit schaffen sie derzeit einen neuen, wachsenden Markt mit deutlichen Zuwachsraten in Deutschland. Uwe Wolf, Geschäftsführer der Heizungsbaufirma Blöck in Vahrendorf, stellt sich ebenfalls auf den Einbau der neuartigen Heiztechnik ein. "Immer mehr Kunden lassen sich beraten", sagt er. "Doch sollten auch die Kosten nicht außer Acht gelassen werden, die bei einem kompletten Einbau zwischen 12 000 und 15 000 Euro liegen. Eine Modernisierung der bestehenden Heizung nach neuesten umwelttechnischen Aspekten liegt zwischen 6500 und 7500 Euro."

Die Nenndorfer Firma "Mineralöl Schierhorn" liefert auch Holzpellets. "Gas und Öl sind 40 Prozent teurer und, es wird ständig nach Pellets gefragt." Laut C.A.R.M.E.N (Centrales Agrar-Rohstoff-Marketing und Netzwerk) kostet die einem Liter Heizöl entsprechenden Menge an Pellets 37 Cent. Für einen sogenannten Schüttraummeter (entsprechend 0,70 Meter gestapelt) fertiges Kaminholz berechnet die Firma Lohof in Jesteburg für Buche und Eiche 50 Euro, für gemischtes Holz (Buche, Eiche, Birke) 48 Euro und für Birke oder Erle 46 Euro.

Michael Bihl (47) aus Eißendorf greift selbst zur Motorsäge. Zusammen mit Erhard Ramroth (48) zersägte er eine für ihn reservierte Buche. "Seitdem ich mit Holz heize, spare ich zehn Prozent an Gas."


zurück